Restaurierung eines Braun Atelier A2 Verstärkers

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5–8 Minuten
Braun Atelier A2

Die Braun Atelier Reihe hat mich schon immer sehr fasziniert. Sie ist sehr schlicht. Alle wichtigen Bedienelemente sind direkt verfügbar. Alles andere verschwindet hinter einer Klappe. Der Braun Atelier A2 war das zweite Verstärker-Modell der Reihe. Er liefert 2*120W an 4 Ohm. Er hat neben den Eingängen für Tuner, Tape und Aux auch zwei für Phono. Einmal MC und einmal MM. Passend zum A2 gibt es den T2 Tuner.

Der Verstärker arbeitet mit 230V Wechselspannung. Dies ist lebensgefährlich! Arbeiten dürfen nur im spannungslosen Zustand durchgeführt werden.

Bestandsaufnahme Braun Atelier A2

Als der Verstärker zu mir kam, sah er ganz gut aus. Er war etwas eingestaubt und schmutzig. Eine erste Funktionsprüfung war positiv.

Bei näherer Betrachtung hat sich herausgestellt, dass er einige Kontaktprobleme hatte. Diese konnten auf das Lautsprecher-Relais, die Eingangs-Wahlschalter, die Tasten und Potis hinter der Klappe und das Lautstärkepoti eingegrenzt werden.

Durch das kleine Gehäuse werden die Innereien ziemlich warm. Das führt dazu, dass die Elkos schneller austrocknen als üblich.

Restaurierung Braun Atelier A2

Der Deckel lässt sich leicht demontieren, indem die vier Imbusschrauben entfernt werden. Hier sollte passendes Werkzeug verwendet werden, um die Schrauben nicht zu zerstören. Auch die Bodenplatte und die Frontplatte werden abgeschraubt. Bei der Frontplatte muss man vorsichtig sein. Hier gibt es noch einen Stecker, der abgezogen werden muss.

Im Inneren sieht der Braun Atelier A2 relativ aufgeräumt aus. Dieser hier ist wahrscheinlich nicht so viel gelaufen. Die typischen Verfärbungen den Platinen rund um die Leistungstransistoren und die Leistungswiderstände fehlen komplett.

Als erstes Modul habe ich den Clipping Verstärker überarbeitet. Die Elkos mit Werten 1µF und kleiner habe ich durch Folienkondensatoren ersetzt.

Um an die Filter Leiterplatte zu kommen, muss die vordere Plastikabdeckung abgebaut werden. Dazu werden als erstes die Kappen der drei Potentiometer (bass, treble und balance) abgezogen. Die eigentliche Abdeckung wird durch zwei Schrauben gehalten. Anschließend werden die Kappen der Schalter abgezogen. Erst jetzt kommt man an die Schrauben, die die Filter Leiterplatte halten. Auch hier habe ich alle Elkos getauscht.

Die Schalter auf der Filter Leiterplatte lassen sich leider nicht öffnen, um die Kontakte zu reinigen. Oft haben sie Kontaktprobleme.

Im Braun-Forum habe ich eine Lösung für das Problem gefunden. Man kann diese Schalter neu über AliExpress bestellen. Sie heißen dort PBS-22E01-SL und passen ganz hervorragend. Oben im Bild habe ich den neuen Schalter markiert.

Zum Wechseln empfiehlt es sich alle Schalter auf einmal auszulöten. Hierzu eignet sich Entlötlitze ganz hervorragend. Erst wenn alle Beinchen nicht mehr mit der Platine verbunden sind, lässt sich der komplette Schalterblock abheben. Anschließend werden die Haltenasen des Winkels aufgebogen und der alte Schalter durch einen neuen ersetzt.

Hier sieht man die neuen Schalter. Sie lassen sich nur durch die Farbe des Innenteils unterscheiden.

Die Steller Leiterplatte wird durch die Muttern auf den Potis gehalten. Diese löst man am besten mit einem passenden Schraubenschlüssel.

Auch in die Potis gibt es einen kleinen Spritzer Kontaktspray. Anschließend werden sie ein paar mal hin und her bewegt.

Die Endstufen Transistor Leiterplatte wird mit ein paar Schrauben gehalten. Diese sitzen in dem Kühlblech der großen Transistoren.

Auf der Treiber Leiterplatte wurden alle Elkos sowie die beiden kleinen Trimmpotis zur Einstellung des Ruhestroms gewechselt. Man sollte die neuen auf den gleichen Wert wie die alten einstellen. Hierfür ist ein Multimeter sehr nützlich.

Relais

Das alte Lautsprecherrelais hat Probleme gemacht. Es gab Aussetzer auf beiden Kanälen. Dies lässt sich einfach ausprobieren. Wenn man im Betrieb mir einem nicht leitenden Gegenstand auf das Relais klopft, sind Störungen ganz gut zu hören.

So sieht das Relais von innen aus. Wenn man möchte, kann man es reinigen. Dazu wird ein Papierstreifen mit Kontaktspray benetzt und anschließend durch die Kontakte gezogen. Das macht man so lange, bis es keine schwarzen Streifen mehr gibt.

Ich wollte aber ein neues Relais verbauen. Das original Relais gibt es schon lange nicht mehr. Auch ein anderes passendes gibt es nicht. Also musste ich mit eine Adapterplatine schnitzen. Das habe ich schon bei meinen Saba Receivern gemacht. Dieser Typ Relais hat sich dort sehr bewährt.

Es gibt eine Service-Information von Braun. Darin wird empfohlen ein zusätzliches Mutingrelais einzubauen. Dies soll Einschaltgeräusche bei Aktivlautsprechern verhindern. Der Braun Atelier A2 ist hierauf schon vorbereitet. Diese Relais habe ich dann auch gleich eingebaut.

Schalter reinigen

Eine weitere Schwachstelle sind die beiden Eingangs-Wahlschalter. Als erstes müssen die Bowdenzüge, die den Schalter betätigen abgezogen werden. Anschließend werden die Schalter ausgelötet. Hier ist eine Lotsaugpumpe und Entlötlitze vorteilhaft.

Um den Schalter auseinander zu bauen, müssen die kleinen Laschen vorsichtig zurück gebogen werden. Ich habe hierfür eine Spitzzange verwendet. Auf dem Bild sieht man, wie schwarz die Kontakte sind.

Der schwarze Dreck lässt sich gut mit einer Zahnbürste entfernen. Die vier Reiter werden mit einem Papier gereinigt, was vorher mit Kontaktspray benetzt wurde. Sie werden so lange hin und her geschoben, bis es keine Bremsspuren mehr gibt. Vor dem Zusammenbau wird noch etwas Vaseline an die Kontakte gegeben. Sie verhindert die erneute Korrosion der Kontakte. Hierfür eignet sich ein dünner Holzstab.

Die Schalter werden wieder auf die Eingangs Leiterplatte gelötet und die Bowdenzüge werden eingerastet. Das Relais rechts habe ich auch ausgewechselt. Der Spannungsregler ist auch neu und hat einen Kühlkörper bekommen. Außerdem sind die Elkos neu.

Braun Atelier A2 Umbau auf 240V

Als der Braun Atelier A2 auf den Markt kam, betrug die Netzspannung in Deutschland 220V. In der Zwischenzeit wurde sie auf 230V erhöht. Da der Verstärker im Betrieb sehr warm wird, ist es sinnvoll ihn auf 240V umzustellen.

Dies ist ziemlich einfach. Dazu muss einfach der braune mit dem grauen Draht am Netzschalter getauscht werden.

Der Ruhestrom wird, wie im Service Manual angegeben, eingestellt. Dazu wird die Spannung über den Emitterwiderständen gemessen und auf 20mV eingestellt.

Es ist auch sinnvoll den DC-Offset an den Lautsprecherbuchsen zu kontrollieren. Hier passt alles. Damit sind alle elektrischen Arbeiten abgeschlossen.

Gehäuse lackieren

Das Gehäuse des Braun Atelier A2 hatte ein paar kleine Macken. Da er schwarz ist, fällt das ziemlich auf.

Als erstes wird die Umgebung des Kratzers abgeklebt. Dies macht man möglichst eng.

Anschließend kann man die Stelle lackieren. Ich habe hierfür die Email Farbe (RAL9011) von Revell verwendet. Sie ist dem original Farbton sehr ähnlich. Auch die Mattheit passt ganz gut.

Zum Auftragen habe ich ein Wattestäbchen verwendet. Es geht natürlich auch ein Pinsel.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vom Kratzer ist nicht mehr viel zu sehen.

Fazit

Nach der Reinigung des Gehäuses, können alle Teile wieder zusammengesetzt werden. Der Braun Atelier A2 ist ein sehr eleganter Verstärker. Sein schlichtes Design hat es mir echt angetan, Understatement pur.

Die Kontaktprobleme sind verschwunden und es gibt keine Aussetzer im Betrieb.

Die Pegelanzeige ist ein nettes Gimmick. Sie zeigt auch an, wenn der Verstärker übersteuert. Wen das stört, kann die Anzeige auch ausschalten.

Hinter einer Klappe findet man die weniger oft benutzten Funktionen. Dadurch wirkt der Verstärker sehr aufgeräumt.

In naher Zukunft wird der Braun A2 meinen Marantz 4300 im Wohnzimmer ablösen.

Kommentare

12 Kommentare zu „Restaurierung eines Braun Atelier A2 Verstärkers“

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    Kurt Bauer

    Hallo lieber Braun-Liebhaber, ich habe die Braun Atelier geerbt mit diesem Verstärker. Es bricht manchmal der Sound von einem Kanal zusammen in dumpfes Kratzen und Brummeln. Ich ruckle und drehe am Verstärker an allen mögliche Schaltern rum und es tritt wieder der Normalzustand ein. Kann man das in Zukunft vermeiden? Dann habe ich festgestellt, dass man Lautsprechergruppe 1 und 2 nur umschalten kann und nicht beide zusammen laufen lassen kann. Ist das so vorgesehen? Vielen Dank im voraus. KuBa

    1. Norman

      Hallo Kurt,

      das hört sich nach den typischen Kontaktproblemen von Schaltern, Poties un Relais an. In meinem Artikel habe ich das alles beschrieben. Wenn du das gemacht hast, läuft der gute Braun bestimmt wieder.
      Soweit ich mich erinnern kann, lassen sich auch zwei Lautsprechergruppen betreiben. Aber auch hierfür ist ein Relais zuständig. Es kann also sein, dass dieses auch verschmutzt ist und die Umschaltung deshalb nicht funktioniert.
      Wenn du dir das nicht zutraust, würde ich den Braun in professionelle Hände geben.

      Grüße Norman

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    Hans Zinner

    Hallo, ich suche jemanden, der mir an meinem Braun Atelier A1 die beiden Inputselectschalter reinigt.

    1. Norman

      Hallo Hans,

      ich mache das leider nicht für andere. Meine Seite soll eher Inspiration und Anleitung sein.
      Vielleicht kann dir im Braun-Forum geholfen werden.

      Grüße Norman

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    Bernd

    Toller Bericht, hat mir bereits sehr geholfen!
    Ist es möglich eine Liste der Elkos zu erfahren bzw. wo man diese kaufen kann.

    Lg Bernd

    1. Norman

      Hallo Bernd,

      im Braun Forum gibt es einen Thread mit der aktuellen Liste. Ich hab dir meine aber trotzdem per Mail zugeschickt.

      Grüße Norman

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    Platon

    Hallo! Ich habe mir vor Kurzem einen „Kauf der Katze im Sack“ zugelegt. Zurzeit teste ich nur oberflächlich den Verstärker A2. Ein typisches Problem betrifft den Eingangswahlschalter, aber zusätzlich funktioniert bei mir der rechte Kanal nicht – und zwar komplett, also absolut gar nichts, keinerlei Rauschen, völlige Stille. Das gilt sowohl für den Kopfhörerausgang als auch für beide Lautsprecherausgänge. Dabei zeigt die Anzeige auf dem Display für beide Kanäle ein Signal an. Wo sollte ich anfangen, dieses Problem zu beheben?

    1. Norman

      Hallo Platon,

      um das Problem zu beheben, muss man es erst finden ;-)
      Du kannst erst mal prüfen, ob es an der Vorstufe oder der Endstufe liegt. Dazu nimmst du die Brücken an der Rückseite raus und brückst mit einem Cinch Kabel über Kreuz. Wenn der Fehler dann die Seite wechselt, ist die Vorstufe defekt. Wenn der Fehler nicht wandert, ist es die Endstufe.
      Anschließend speist du dann mit einem Funktionsgenerator ein Signal in die defekte Baugruppe ein und verfolgst das Signal mit dem Oszilloskop (hier kannst du ja auch links und rechts vergleichen). Irgendwo geht das Signal verloren und dort suchst du dann den Fehler.

      Grüße Norman

      1. Avatar
        Platon

        vielen Dank für Ihre Antwort. Das Problem war letztendlich erstaunlich einfach: Es gab einen kleinen Haarriss in einer Lötstelle zwischen dem Lautsprecherrelais und der Platine. Es genügte, die Verbindung sauber nachzulöten, und alles funktionierte wieder einwandfrei.

        Ich habe außerdem viele der von Ihnen empfohlenen Arbeiten durchgeführt. Das Gerät habe ich auf 240 V umgestellt und den Eingangswahlschalter sowie den Record-Selector gründlich gereinigt.

        Außerdem habe ich einen kompletten Satz mit sechs neuen Drucktasten bei AliExpress bestellt. Da eine der alten Tasten Probleme machte, habe ich beschlossen, vorsorglich alle sechs zu ersetzen.

        Zusätzlich habe ich das Lautstärkepotentiometer durch das Alps-Ersatzteil ersetzt, das unter anderem von HiFi-Zilla angeboten wird. Es war mit etwa 50 Euro nicht gerade günstig, passt aber mechanisch sehr gut. Auch die Kennlinie ist sehr passend, und die Loudness-Funktion bleibt erhalten.

        Dabei gab es allerdings ein kleines Problem: Der Übergang zwischen der ersten und der zweiten Hälfte des Regelwegs war deutlich hörbar. Die Lösung war jedoch sehr einfach. Ich habe zwei zusätzliche Widerstände mit 33 kΩ zwischen dem Loudness-Anschluss und den oberen bzw. unteren Anschlüssen des Potentiometers eingebaut. Dadurch verhält sich das 50-kΩ-Alps-Potentiometer elektrisch ungefähr wie das originale 28-kΩ-Potentiometer, ohne die Loudness-Funktion zu beeinträchtigen. Seitdem lässt sich die Lautstärke sehr gleichmäßig und angenehm regeln – ohne Sprünge, ohne abrupte Änderungen und ohne zusätzliche Nebengeräusche. Mit dem Ergebnis bin ich wirklich sehr zufrieden. Falls Interesse besteht, kann ich gerne Fotos von der Modifikation schicken.

        Eine Frage hätte ich allerdings noch: Sie hatten geschrieben, dass Sie alle Kondensatoren durch Folienkondensatoren ersetzt haben. Auf den Fotos sehe ich jedoch noch zahlreiche Elektrolytkondensatoren auf den von Ihnen gezeigten Platinen. Handelt es sich dabei um Aufnahmen vor der Überarbeitung, oder habe ich möglicherweise missverstanden, welche Bauteile genau ersetzt wurden? Auf den Bildern scheinen viele der ursprünglichen Kondensatoren noch vorhanden zu sein.

        Könnten Sie das bitte etwas näher erläutern?

        Grüßen Platon

        1. Norman

          Hallo Platon,

          Glückwunsch zur erfolgreichen Reparatur.
          Gerne kannst du mir das Bild vom neuen Poti mit deinem Umbau zusenden. Ich kann es in deinen Kommentar einbauen, wenn du das magst.
          Ich habe alle Elkos mit Werten 1µF und kleiner durch Folienkondensatoren ersetzt. Hier bieten sich als Ersatz die Wima MKS an. Sie sind relativ klein und passen ins Layout.

          Grüße Norman

      2. Avatar
        Platon

        Eine weitere Frage hätte ich noch: Haben Sie Tipps oder Empfehlungen zur Wartung des Braun P4? Bisher kenne ich im Wesentlichen nur den Austausch des Entstörkondensators am Netzschalter und den Wechsel des Antriebsriemens. Gibt es aus Ihrer Erfahrung noch weitere Punkte, auf die man achten sollte?

        1. Norman

          Einen P4 habe ich leider nicht. Den Entstörkondensator zu tauschen, ist sicherlich sinnvoll. Wahrscheinlich ist da der berüchtigte WIMA Knallfrosch verbaut. Ich würde mir da auch das Netzteil anschauen und bei Bedarf die Elkos dort tauschen.

          Grüße Norman

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